Wer sich für eine eggersmann Küche interessiert, stößt früher oder später auf zwei Namen, die scheinbar gegeneinander stehen: E4 und unique. Die Frage, die daraus entsteht, lautet meistens „Welches von beiden soll ich nehmen?“ – und sie führt in die falsche Richtung, weil die beiden Begriffe nicht auf derselben Ebene liegen.

E4 ist das System. Es legt fest, wie frei sich Korpusse in Höhe, Breite und Tiefe planen lassen und wie die Fronten konfiguriert werden. unique ist die Materialwelt. Sie legt fest, woraus diese Fronten und Flächen bestehen. Beide greifen ineinander, und in fast jeder Planung spielen beide eine Rolle. Welche Kollektionen und Designlinien eggersmann derzeit führt, steht in der Übersicht zu eggersmann; hier geht es um die Entscheidung dahinter.

Was E4 in der Planung tatsächlich verändert

E4 kam 2023 als Weiterentwicklung des eggersmann Systems und bringt eine stark vereinfachte Produktlogik mit, die gleichzeitig mehr Freiheit beim Korpus lässt. Höhe, Breite und Tiefe sind variabel, die Frontaufteilung ebenso.

Das klingt wie ein Detail für Planer und ist in der Praxis der Punkt, an dem sich entscheidet, ob eine Küche in einen Raum passt oder nur hineingestellt wird. In einem Hamburger Altbau mit 3,20 Meter Deckenhöhe ist die Frage nicht, welche Front schön ist, sondern ob die Oberschränke bis unter die Decke laufen oder ob darüber ein Streifen Staub bleibt. In einer Wohnung mit nicht lotrechten Wänden ist die Frage, ob sich die Fuge zur Wand auf zwei Millimeter führen lässt oder auf zwölf. Beides entscheidet das System, nicht das Material. Wie weit das trägt, haben wir in unseren Projekten zur Küche im Altbau ausführlicher beschrieben.

Zu E4 gehört EBX, das Schubkastensystem, das eggersmann sowohl in E4 als auch in unique einsetzt. Die Zargen sind 13 Millimeter stark, die Führung läuft auf einer Hettich-Plattform, und die vierdimensionale Verstellung der Fronten kommt ohne Bohrungen und Abdeckkappen aus. EBX gibt es in den Ausführungen aluminum, steel und wood, abgestimmt auf die Korpusfarben Midnight Oak, onyx und fossil.

Dieses Detail ohne Bohrungen ist der Grund, warum eine grifflose Küche aus diesem System anders wirkt als eine aus dem Katalog. Wenn es keine Griffe gibt, ist die Fuge das Gestaltungselement. Und eine Fuge, die sich nachträglich in vier Richtungen nachjustieren lässt, bleibt auch nach fünf Jahren eine Linie und nicht eine Reihe von Zufällen.

Was unique entscheidet

unique ist die ältere der beiden Welten, 2006 eingeführt und seitdem weitergeführt. Sie baut auf Werkstoffen, die ihre Herkunft zeigen. Schwarzstahl wird rotglühend gewalzt und zeigt danach einen Farbverlauf, der sich kein zweites Mal gleich ergibt. Dazu kommen warmgewalzter Edelstahl und geschliffenes Messing, das durch Bronzieren wolkige Verläufe bekommt. Auf der Steinseite stehen Natursteine.

Der Satz, der in der Beratung am häufigsten fällt, lautet: Jedes Element ist ein Unikat. Das ist kein Marketing, sondern eine Konsequenz. Wenn die Oberfläche durch einen Walz- oder Bronziervorgang entsteht, lässt sie sich nicht reproduzieren. Zwei Fronten nebeneinander sehen verwandt aus, aber nicht gleich. Und eine Front, die in zehn Jahren ersetzt werden muss, wird nicht identisch aussehen.

Für manche Bauherren ist genau das der Grund für unique. Für andere ist es ein Ausschlusskriterium. Beides ist eine legitime Haltung, und es ist besser, sie vor der Planung zu klären als danach. Dasselbe gilt für die Patina: Schwarzstahl und bronziertes Messing verändern sich durch Gebrauch. Wer das als Alterung liest, ist mit einer anderen Oberfläche besser beraten. Wer es als Gebrauchspatina einer Materialcharakteristik liest, bekommt mit unique etwas, das Lack nicht leisten kann.

Die Frage, die in Hamburg wirklich entscheidet

In der Beratung scheitern Entscheidungen selten am Geschmack. Sie scheitern an Treppenhäusern, Aufzügen und Türbreiten. Ein monolithischer Steinblock, der als Insel schweben soll, muss in den vierten Stock eines Gründerzeithauses in Eppendorf gelangen, und zwar in Teilen, deren Fugen danach nicht auffallen dürfen. Eine Arbeitsfläche aus massivem Naturstein hat ein Gewicht, das die Statik einer Altbaudecke betrifft.

Deshalb steht das Aufmaß bei uns vor der Materialentscheidung und nicht umgekehrt. Erst wenn klar ist, was in den Raum hineingeht und was der Boden trägt, hat die Frage nach Schwarzstahl oder Stein einen Sinn. Welche Oberflächen für welche Nutzung taugen, haben wir für Küchenarbeitsplatten gesondert aufgeschrieben.

So gehen wir die Entscheidung durch

  1. Aufmaß vor Ort, mit Deckenhöhe, Lot, Fensterachsen und Transportweg.
  2. Grundriss und Blickachsen, also die Frage, was man beim Hereinkommen sieht und was verschwinden soll.
  3. Das System festlegen: Maße, Korpusaufteilung, Frontkonfiguration.
  4. Die Materialwelt wählen, mit echten Mustern im Licht des eigenen Raums und nicht unter Studiobeleuchtung.
  5. Geräte einplanen, bei uns meist von Gaggenau oder V-ZUG, weil deren Einbaumaße die Frontaufteilung mitbestimmen.

Erst in Schritt vier wird aus „E4 oder unique“ eine sinnvolle Frage. Und meistens lautet die Antwort dann nicht oder, sondern und.

Licht und Ausrichtung bestimmen das Material

Bevor über Fronten und Details entschieden wird, kommt der Raum. Himmelsrichtung, Fenstermaße und der Lichteinfall sind entscheidende Parameter für jede spätere Wirkung. Ein Raum in Winterhude mit zwei Fenstern nach Norden verträgt andere Oberflächen als ein Neubau in der HafenCity mit Südlicht über die gesamte Fensterfront. Schwarzstahl in einem dunklen Raum wirkt schwer, in einem lichten Raum setzt er präzise Konturen. Das lässt sich weder aus einem Katalog noch aus einem Musterkoffer im Studio beurteilen.

Wir planen für Hamburg und die Metropolregion und analysieren Räume grundsätzlich vor Ort. Werkstoffe müssen bei Morgenlicht, Abendlicht und Kunstlicht im echten Raum erlebt werden. Oberflächen wie bronziertes Messing verändern sich mit dem Tagesverlauf grundlegend. Diese Nuancen direkt in der Architektur zu prüfen, bildet das Fundament für eine dauerhafte Entscheidung.