Stuck, Deckenhöhe und Hochschränke
Drei Meter Deckenhöhe sind ein Geschenk und ein Problem zugleich. Hochschränke in voller Höhe wirken erdrückend und werden oben unbenutzbar; Hängeschränke in normaler Höhe lassen eine große leere Wandfläche darüber stehen. Beides lässt sich bewusst gestalten, nur eben nicht ignorieren.
Wir arbeiten meist mit Hochschränken, die bewusst unter der Stuckkante enden, mit einer Schattenfuge darüber. Der Stuck bleibt dadurch unangetastet und liest sich weiter als Rahmen des Raumes. Die Alternative ist, die Schrankzeile niedrig zu halten und die Wand darüber frei zu lassen, was in Räumen mit guter Wandfläche und Kunst oft die bessere Entscheidung ist.
Was wir nicht tun, ist Stuck anschneiden. Ein Profil, das hinter einem Schrank verschwindet, ist in dem Moment ruiniert, in dem jemand die Küche wieder ausbaut, und das ist bei einer Wohnung mit hundert Jahren Geschichte ein schlechter Tausch.
Technik: Leitungen, Abluft und Statik
Die Elektrik ist im Altbau der häufigste Grund für Überraschungen. Wo noch alte Leitungen liegen, reicht die Absicherung für ein Kochfeld, einen Backofen und einen Dampfgarer am selben Strang nicht aus. Das klären wir vor dem Entwurf mit dem Elektriker, weil sich daraus ergibt, ob neue Leitungen gezogen werden müssen und wo sie verlaufen können.
Beim Wasser entscheidet die Lage der Steigleitung, wie weit sich die Spüle vom Bestand entfernen lässt. Gefälle braucht Platz, und in einer Holzbalkendecke ist der Aufbau begrenzt. Dasselbe gilt für eine Kochinsel: Sie ist im Altbau möglich, aber die Frage ist nicht das Möbel, sondern der Weg für Abfluss und Strom.
Beim Dunstabzug stößt Abluft im Altbau oft an die Fassade. Ein Durchbruch nach außen verändert das Erscheinungsbild des Hauses, und bei denkmalgeschützten Gebäuden ist das genehmigungspflichtig. In solchen Fällen planen wir Umluft mit guten Aktivkohlefiltern ein, was in der Praxis deutlich besser funktioniert als sein Ruf.
Wie wir im Altbau planen
- Bestandsaufnahme: Wir messen den Raum auf, prüfen Lot und Gefälle, dokumentieren Stuck, Laibungen und Heizkörper und suchen nach vorhandenen Leitungen.
- Abstimmung mit den Gewerken: Elektrik, Sanitär und bei Bedarf Statik werden befragt, bevor ein Entwurf entsteht, nicht danach.
- Entwurf: Die Planung nimmt die Eigenheiten des Raumes auf, von der Höhe der Hochschränke bis zur Lage der Fugen, und wird als Visualisierung gezeigt.
- Bemusterung: Materialien werden im Raum beurteilt, weil Tageslicht im Altbau anders fällt als im Showroom und Naturstein darauf reagiert.
- Fertigung und Montage: Gefertigt wird nach Aufmaß in der Manufaktur eggersmann, die Arbeitsplatte nach Schablone. Die Montage begleiten wir bis zur Übergabe.
Beispiele aus Hamburger Altbauten zeigen wir in der Projektübersicht und auf der Seite zu unserem Küchenstudio in Eppendorf.
Häufige Fragen zur Küche im Altbau
Lässt sich eine Küche im Altbau passgenau einbauen?
Ja, wenn sie dafür gefertigt wird. Maßanfertigung heißt im Altbau nicht nur andere Breiten, sondern Passleisten, angepasste Blenden und eine Arbeitsplatte, die nach Schablone zugeschnitten wird. Eine Küche aus dem Standardraster lässt sich dagegen nur mit sichtbaren Fugen einpassen.
Was passiert mit dem Stuck?
Er bleibt. Wir enden mit Hochschränken bewusst unter der Stuckkante und setzen eine Schattenfuge darüber, sodass das Profil durchläuft. Stuck hinter einem Schrank anzuschneiden lehnen wir ab, weil der Schaden bleibt, wenn die Küche einmal verschwindet.
Ist eine Kochinsel im Altbau möglich?
Häufig ja. Die Frage ist nicht das Möbel, sondern der Weg für Abfluss, Wasser und Strom durch den Boden. Bei Holzbalkendecken sind Aufbauhöhe und Gefälle begrenzt, deshalb prüfen wir das vor dem Entwurf. Manchmal ist eine Insel ohne Wasseranschluss die bessere Lösung.
Geht Abluft im Altbau?
Nur, wenn ein Weg nach außen existiert. Ein Durchbruch in die Fassade verändert das Erscheinungsbild des Hauses und ist bei denkmalgeschützten Gebäuden genehmigungspflichtig. In den meisten Altbauprojekten planen wir deshalb Umluft mit hochwertigen Aktivkohlefiltern.
Reicht die vorhandene Elektrik?
Oft nicht. Kochfeld, Backofen und Dampfgarer brauchen eigene Absicherungen, und in Wohnungen mit alter Installation fehlt dafür die Kapazität. Wir klären das mit dem Elektriker, bevor die Geräte feststehen, damit der Entwurf nicht später umgeworfen werden muss.
Was ist bei Denkmalschutz zu beachten?
Innerhalb der Wohnung ist meist mehr möglich, als Bauherren erwarten; kritisch wird es bei allem, was von außen sichtbar ist, also Fassadendurchbrüchen und Fenstern. Die Abstimmung mit der zuständigen Behörde übernimmt in der Regel der Architekt, wir liefern dafür die Planungsgrundlage.
Wie lange dauert eine Küche im Altbau?
Länger als im Neubau, weil mehr abzustimmen ist und die Arbeitsplatte erst nach der Montage der Korpusse aufgemessen wird. Zwischen Auftrag und fertiger Küche liegen in der Regel mehrere Monate. Den Zeitplan legen wir vor der Unterschrift fest und stimmen ihn mit dem Bauablauf ab.



